Warum sich Fliesen in Farbe und Format unterscheiden können.
Wer Fliesen kauft, erwartet verständlicherweise ein gleichmäßiges Ergebnis. Trotzdem kann es vorkommen, dass sich zwei Fliesenserien, zwei Formate oder sogar einzelne Lieferungen leicht in Farbe, Struktur oder Maß unterscheiden. Das ist kein Fehler, sondern hängt mit der industriellen Herstellung von Keramikfliesen zusammen.
Fliesen sind ein Natur- und Industrieprodukt zugleich
Fliesen werden aus natürlichen Rohstoffen wie Ton, Mineralien und Glasuren hergestellt. Diese Rohstoffe werden gepresst, getrocknet, gebrannt und je nach Oberfläche glasiert oder bedruckt. Schon kleine Unterschiede bei Rohstoffen, Feuchtigkeit, Brenntemperatur oder Glasurauftrag, selbst der Luftdruck können dazu führen, dass Farbe, Oberfläche oder Struktur leicht variieren.
Besonders bei modernen Feinsteinzeugfliesen mit Naturstein-, Beton- oder Holzoptik sind leichte Unterschiede sogar gewünscht, damit die Fläche natürlicher und lebendiger wirkt.
Unterschiedliche Formate entstehen in unterschiedlichen Produktionsprozessen
Wichtig zu wissen: Verschiedene Formate einer Serie werden nicht automatisch im gleichen Produktionslauf hergestellt. Eine Fliese im Format 60 × 60 cm und eine Fliese im Format 60 × 120 cm entstehen in der Regel in getrennten Produktionsprozessen.
Das bedeutet: Auch wenn beide Fliesen den gleichen Seriennamen und die gleiche Farbe tragen, können sie aus unterschiedlichen Chargen stammen. Dadurch sind leichte Unterschiede in Farbton, Oberfläche, Struktur möglich.
Gerade wenn zwei Formate direkt nebeneinander verlegt werden, können solche Unterschiede stärker auffallen als bei einer getrennten Verlegung.
Nennmaß und Istmaß: Warum 60 cm nicht immer exakt 60 cm sind
Die Formatangabe einer Fliese, zum Beispiel 60 × 60 cm oder 60 × 120 cm, ist ein sogenanntes Nennmaß. Das bedeutet: Es beschreibt die ungefähre Formatgruppe, nicht zwingend das exakt gemessene Istmaß jeder einzelnen Fliese.
Durch Pressen, Trocknen, Brennen und Kalibrieren verändert sich das Material leicht. Deshalb werden Fliesen nach der Herstellung vermessen und in sogenannte Kaliber eingeteilt.
So kann eine Fliese mit dem Nennmaß 60 × 60 cm beispielsweise tatsächlich 59,8 cm breit sein. Eine passende Fliese aus dem Format 60 × 120 cm kann dagegen ein Istmaß von 59,6 cm haben. Beide Fliesen gehören zur gleichen Formatfamilie, haben aber unterschiedliche Kaliber.
Warum Kaliber beim Verlegen wichtig sind
Das Kaliber ist besonders wichtig, wenn unterschiedliche Formate miteinander kombiniert werden. Werden Fliesen mit verschiedenen Istmaßen direkt aneinander verlegt, können Fugenverläufe abweichen oder kleine Versätze entstehen.
Deshalb sollte vor der Verlegung immer geprüft werden, ob Format, Kaliber und Charge zusammenpassen. Bei kombinierten Formaten empfiehlt es sich, die Fliesen vorab auszulegen und das Fugenbild zu kontrollieren.
Auch Farbchargen können unterschiedlich sein
Neben dem Maß spielt auch die Farbcharge eine wichtige Rolle. Fliesen aus verschiedenen Produktionschargen können leichte Farbabweichungen aufweisen. Das betrifft besonders Nachbestellungen, aber auch unterschiedliche Formate innerhalb einer Serie.
Deshalb gilt: Wenn möglich, sollte die benötigte Menge inklusive Verschnitt und Reserve in einer Bestellung geplant werden. So lässt sich das Risiko von sichtbaren Farb- oder Maßunterschieden deutlich reduzieren.
Unser Tipp vor der Verlegung
Prüfen Sie vor der Verarbeitung immer die Angaben auf den Kartons, insbesondere Farbe, Charge und Kaliber. Vergleichen Sie die Fliesen außerdem bei Tageslicht und legen Sie verschiedene Kartons gemischt aus. So entsteht ein harmonisches Gesamtbild, und eventuelle Unterschiede fallen vor der festen Verlegung auf.
Einmal verlegte Fliesen gelten in der Regel als akzeptiert. Deshalb ist die Kontrolle vor der Verarbeitung besonders wichtig.
Fazit
Leichte Unterschiede in Farbe, Oberfläche und Maß sind bei Fliesen produktionsbedingt möglich. Besonders bei unterschiedlichen Formaten wie 60 × 60 cm und 60 × 120 cm können Abweichungen auftreten, da diese Formate meist in getrennten Produktionsprozessen hergestellt werden.
Die Formatangabe ist ein Nennmaß. Das tatsächliche Istmaß wird über das Kaliber bestimmt. Wer verschiedene Formate kombiniert, sollte deshalb immer Charge, Kaliber und Farbton prüfen und die Fliesen vor der Verlegung sorgfältig miteinander vergleichen.
Warum die gleiche Fliese an der Wand dunkler wirken kann als am Boden
Auch der Verlegeort beeinflusst, wie eine Fliese optisch wahrgenommen wird. Die gleiche Fliese kann an der Wand deutlich dunkler wirken als auf dem Boden, obwohl es sich um exakt dieselbe Farbe handelt.
Der Grund dafür ist der unterschiedliche Lichteinfall. Bodenfliesen werden meist direkter von Tageslicht oder Raumbeleuchtung angestrahlt. Das Licht trifft von oben auf die Fläche und wird stärker reflektiert. Dadurch erscheint die Fliese heller.
Wandfliesen werden dagegen häufig in einem anderen Winkel beleuchtet. Das Licht streift die Oberfläche eher seitlich oder trifft nicht so direkt auf die Fläche. Dadurch wird weniger Licht reflektiert, und die Fliese kann dunkler, kräftiger oder etwas anders im Farbton wirken.
Zusätzlich spielen Raumgröße, Fensterposition, künstliche Beleuchtung, Schattenwurf und die Oberflächenstruktur der Fliese eine Rolle. Matte, strukturierte oder stark gemusterte Fliesen können diesen Effekt noch verstärken.
Deshalb ist es wichtig, Fliesenmuster immer dort zu betrachten, wo sie später auch verlegt werden sollen: an der Wand und auf dem Boden. Nur so lässt sich die spätere Farbwirkung realistisch einschätzen.
Fazit:
Auch der Lichteinfall beeinflusst die Wahrnehmung: Die gleiche Fliese kann an der Wand dunkler wirken als auf dem Boden, weil Licht je nach Fläche und Winkel unterschiedlich reflektiert wird.